Qualitätskriterien für Selbstbehauptungstrainings


Um Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt zu schützen, greifen Eltern und pädagogische Fachkräfte häufig auf Anbieter von Selbstbehauptungstrainings bzw. Selbstverteidigungstrainings zurück. Auf die Risiken einiger solcher Angebote wies die PsG.nrw bereits in ihrer im März-Newsletter verlinkten Stellungnahme hin. Im Folgenden wird ausgeführt, wodurch sich ein sinnvoller und zweckdienlicher Trainingskurs auszeichnet und worauf man bei der Auswahl achten sollte.

Was ein sinnvolles Training bewirken kann 

Ein Selbstbehauptungstraining bzw. Selbstverteidigungstraining kann die Selbstwirksamkeit und den Selbstwert von Kindern und Jugendlichen erhöhen und dazu beitragen, dass sie sich selbst und anderen wertschätzend und grenzachtend begegnen. Es kann Mädchen* und Jungen* befähigen, sich ihrer Ressourcen und Rechte, aber auch ihrer Grenzen bewusst zu werden. Ziele eines Trainings sollten die Stärkung, Wahrnehmung und Artikulation der individuellen Gefühle und Grenzen sowie die Thematisierung von Aspekten des Hilfeholens sein. Kinder und Jugendliche können darin bekräftigt werden, auf ihr eigenes Gefühl zu hören, sich gegenseitig ernst zu nehmen und sich mit Achtsamkeit zu begegnen. Zudem kann ein solcher Kurs Eltern und Fachkräfte darin unterstützen, Mädchen* und Jungen* kindgerechtes Wissen über Grenzverletzungen und sexualisierte Übergriffe zu vermitteln. Im Vordergrund des Trainings steht die Weitergabe einer Haltung – nicht die Vermittlung von Techniken.

Was eine Kursleitung mitbringen sollte 

Es gibt eine große Zahl von Anbietern solcher Kurse, die unterschiedlichen Berufsgruppen angehören. Die Landesfachstelle nimmt wahr, dass eine Vielzahl solcher Kurse von nicht ausreichend informierten Personen angeboten wird. Für Eltern und Fachkräfte ist es deswegen hilfreich, bei der Auswahl auf folgende Kriterien zu achten.

Die Kursleitung sollte:

  • ein Studium oder eine Ausbildung mit pädagogischem oder psychologischem Kontext haben
  • über ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis nach §72a SGB VIII verfügen
  • im Themenfeld sexualisierte Gewalt fachlich versiert sein
  • die verschiedenen Dimensionen von Geschlecht kennen und dazu eine reflektierte Haltung einnehmen
  • entwicklungspsychologische Kenntnisse und Erfahrung in der Gruppenarbeit mit Kindern mitbringen
  • Fachkompetenz bei einer möglichen Krisenintervention haben
  • eine wertschätzende und empathische Grundhaltung gegenüber Kindern und Jugendlichen besitzen
  • regelmäßig Fortbildungen besuchen und kollegiale Beratung oder Supervision in Anspruch nehmen
  • nachgewiesene persönliche und fachliche Vernetzung mit den örtlichen Hilfestellen aufweisen
  • über eine positive Haltung zur Präventionsarbeit und sexuellen Bildung verfügen

    Mit den Kursanbieter*innen sollte geklärt werden, ob diese Qualitätskriterien erfüllt werden können. Grundsätzlich muss die Kursleitung bereit sein, ihr Kurskonzept offenzulegen und kritisch hinterfragen zu lassen.

    Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) NRW e.V. hat in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. Qualitätskriterien und Rahmenbedingungen für Selbstsicherheitstrainings erstellt. Diese können Sie hier einsehen.

    Weiterlesen

    Kostenloses Info- und Materialpaket


    Bestellen Sie hier unser kostenloses und versandkostenfreies Materialpaket mit Postern, Postkarten und Aufklebern unserer Sensibilisierungskampagne! Sie finden darin außerdem den PsG.nrw-Flyer und mehr. 

    • nur für Besucher*innen des DJHT
    • für Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
    • 1 Paket pro Einrichtung

    Materialpaket DJHT

    Weiterlesen

    Rückschau: Das lief bislang in der PsG.nrw


    Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern führten wir schon im letzten Quartal 2020 die ersten, aufgrund der Pandemie zunächst digitalen, Veranstaltungen durch. Dabei stießen wir auf so reges Interesse, dass wir bei Weitem nicht alle Anmeldungen berücksichtigen konnten. Aber keine Sorge: Im Jahr 2021 stehen natürlich zahlreiche weitere Aktivitäten auf dem Programm. Dazu mehr unter Veranstaltungen.

    Veranstaltungen

    Am 3.12.2020, 9.12.2020, 24.2.2021 sowie 10.3.2021 von 10-13 Uhr veranstaltete das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKFFI) ein jeweils halbtägiges Online-Seminar mit dem Titel „Gegen sexualisierte Gewalt an Kindern im Vor- und Grundschulalter. Erkennen – Handeln – Vorbeugen“ mit insgesamt knapp 1000 Teilnehmenden. Dieses Seminar fand in Kooperation mit der PsG.nrw, dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) Landesverband NRW e. V., dem Institut für soziale Arbeit e. V. (ISA), den Landesjugendämtern Rheinland und Westfalen-Lippe und Zartbitter Köln e. V. statt. Vorträge und Literaturtipps aus der Veranstaltung finden Sie aber hier.

    Die PsG.nrw


    Die PsG.nrw wird gefördert vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI). Trägerin ist die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) NRW e.V.

    Minister Dr. Stamp bezeichnete anlässlich der Eröffnung sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche als „ein unerträgliches, ein widerliches Verbrechen“ und fuhr fort:  „Wir wollen unsere Kinder und Jugendlichen vor diesen abscheulichen Verbrechen besser schützen. Das ist eine große Herausforderung …). Deshalb müssen wir alle – Politik und Gesellschaft – gemeinsam und entschlossen dagegen vorgehen.“ 

    Der PsG.nrw kommt dementsprechend eine Vielzahl von Aufgaben zu. Wir möchten Ihnen einen kleinen Überblick über unsere Verantwortungsgebiete und Schwerpunkte verschaffen.

    Unsere Zielgruppen

    Unser Angebot richtet sich in erster Linie an Fachkräfte, insbesondere freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe, und Multiplikator*innen/Akteur*innen im Feld der Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Insofern adressieren wir unsere Angebote und Kooperationsformen beispielsweise an Erzieher*innen in Kindertageseinrichtungen oder Leitungskräfte, Mitarbeitende im Offenen Ganztag, in der Kinder- und Jugendarbeit oder in Beratungsstellen oder Fortbildende zum Thema.

    Unsere Aufgaben

    Dialog, Vernetzung, Fortbildung und Beratung hinsichtlich der Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit.

    Wissen bündeln, vernetzen, vermitteln
    • Die PsG.nrw bündelt das im Land NRW vorhandene Wissen zum Thema Prävention und Intervention von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen und gibt es weiter. Dazu lädt sie gemeinsam mit weiteren Akteur*innen und Expert*innen zu Fortbildungen und fachlichem Austausch ein bzw. vermittelt Interessierte entsprechend weiter. Außerdem sichtet sie kontinuierlich Materialien und Publikationen zum Thema und führt sie zusammen, bei Bedarf erstellt sie eigene Arbeitshilfen.
    • Die PsG.nrw macht so die vorhandenen, wertvollen Strukturen und Zuständigkeiten in der Präventionslandschaft sichtbar, vernetzt und stärkt sie und identifiziert gleichzeitig vorhandene Lücken im Bereich der freien Kinder- und Jugendhilfe, um dann möglichst Abhilfe zu initiieren.
    • Sie leistet kontinuierlich einen aktiven Beitrag zur Qualitätsentwicklung.
    Grundlegende Sensibilisierung und Aufklärung
    • Die Psg.nrw klärt gemeinsam mit den Kooperationspartner*innen Fachkräfte über die vielen Aspekte des Themas auf und identifiziert dabei auch gängige Mythen in der Öffentlichkeit.
    • Außerdem informiert sie über Schutzkonzepte für Einrichtungen und Organisationen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, als ganzheitliche und unentbehrliche Präventionsmaßnahme, und berät zu entsprechenden Umsetzungs– und Fortbildungsmöglichkeiten.

    Das Ziel ist es dabei stets, Fachkräften und Multiplikator*innen Orientierung und Handlungssicherheit zu geben und so maßgeblich zum Schutz von Jungen* und Mädchen* beizutragen. Bei alledem erfolgt eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Landesjugendämtern für verzahnte Maßnahmen in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe.

    Ziele und Zielgruppen auf einen Blick


    Wir wünschen Ihnen schöne Feiertage und eine erholsame Zeit!

    Köln, den 16.12.2020. Liebe Besucher*innen, Hand aufs Herz: Werden Sie das Jahr 2020 vermissen? Dieses Jahr mit der sympathisch symmetrischen Zahl, das uns alle vor so viele Veränderungen und Herausforderungen gestellt hat? Wahrscheinlich nicht. Aber wir hoffen und glauben, dass Sie alle am Ende dieses Jahres doch auch etwas finden, für das es sich gelohnt hat. Lassen Sie uns den Blick an dieser Stelle auf das Erreichte und Bewältigte richten. Und das tun wir, das Team von PsG.nrw, in diesen letzten Tagen vor Weihnachten mit Stolz und Freude. Gemeinsam mit dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen haben wir die Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt eröffnet. Wir haben unter Hochdruck unsere Arbeit aufgenommen, um maßgeblich zu einem verbesserten Schutz von Jungen* und Mädchen* in NRW vor sexualisierter Gewalt beizutragen. Mit ersten Seminaren und Konferenzen haben wir bereits zahlreiche Fachkräfte erreicht, die sich täglich für das Wohl von Kindern und Jugendlichen einsetzen und Leitplanken für die Prävention von sexualisierter Gewalt schaffen. Nun können wir sagen: 2021 kann kommen, wir sind bereit! Aber bitte nicht direkt: Erst einmal ist es Zeit für einen entspannten und feierlichen Jahresausklang, für leckeres Essen und gute Gespräche, für die Menschen, die uns nahestehen. Eine solche Zeit wünschen wir nun auch Ihnen – eine Zeit des Innehaltens, Abschaltens, des Auftankens und Genießens. Kommen auch Sie zur Ruhe – bevor wir gemeinsam im neuen Jahr unser Bestes geben, um Jungen* und Mädchen* vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Ihr Team der PsG.nrw

    In Trägerschaft der

    Gefördert vom
    Schriftgröße ändern
    Kontrast