Landeskinderschutz­gesetz: Neue Webseite der PsG.nrw informiert über Rechte- und Schutzkonzepte


Bild zur kostenlosen Verwendung: PsG.nrw, (c) K. Unger

Köln, den 3.5.2022. Anlässlich des am 1.5. in Kraft getretenen Landeskinderschutzgesetzes NRW hat die Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt (PsG.nrw) eine neue Webseite zum Thema Rechte- und Schutzkonzepte freigeschaltet. Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe finden hier vertiefende Informationen, praktische Beispiele und Literaturtipps zum Weiterlesen.

Landeskinderschutzgesetz                                       

Die Rechte von Kindern und Jugendlichen stärken und wahren: Das ist das Ziel des am 1.5.2022 in Kraft getretenen Landeskinderschutzgesetzes (Gesetz zum Schutz des Kindeswohls und zur Weiterentwicklung und Verbesserung des Schutzes von Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen).

Unter anderem bezweckt es eine Verankerung von Schutzkonzepten in Einrichtungen und Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe. Denn Schutzkonzepte dienen als Schlüssel zum systematischen Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt und weiteren Gewaltformen und zur Stärkung ihrer Rechte.

Rechte- und Schutzkonzepte

Für die zahlreichen Fach- und Leitungskräfte der Kinder- und Jugendhilfe, die sich nun in den Prozess der Konzeptentwickelung begeben oder bereits involviert sind, bietet die Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt (PsG.nrw) unter psg.nrw/rechte-und-schutzkonzepte ab sofort eine Webseite mit vertiefenden Informationen zum Thema an. 

Die Seite liefert Informationen zu den einzelnen Bausteinen von Schutzkonzepten, praktische Tipps und konkrete Beispiele. Zudem enthält sie passende Literaturtipps zum Weiterlesen.

Schutzkonzepte sollen Kinder und Jugendliche systematisch vor sexualisierter Gewalt schützen. Sie bezeichnen ein Zusammenspiel aus der Analyse von Risiken und Schutzfaktoren einer Organisation, strukturellen Veränderungen, Absprachen und Vereinbarungen aller Beteiligten und einer gemeinsamen Haltung und schützenden Kultur.

Weil ihr Kern die Stärkung von Kindern und Jugendlichen als Rechteträger*innen ist, ist die Bezeichnung „Rechte- und Schutzkonzept“ zutreffender.

Rechtlicher Hintergrund

Die Schutzkonzept-Pflicht des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes betrifft ausschließlich erlaubnispflichtige Einrichtungen und Pflegepersonen.[1] Jugendfreizeiteinrichtungen, Waldkindergärten oder ähnliche Einrichtungen und Angebote waren hingegen davon nicht betroffen.

Nun werden im Rahmen des Landeskinderschutzgesetzes zum einen auch nicht erlaubnispflichtige Einrichtungen – wie z.B. Jugendfreizeiteinrichtungen – angesprochen.[2] Zudem werden Träger nichtinstitutioneller Angebote der Kinder- und Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes, soweit sie eine Förderung nach dem Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW erhalten oder beantragen, adressiert. Auch Träger außerunterrichtlicher Angebote der Offenen Ganztagsschule im Primarbereich sollen auf die Erstellung von Schutzkonzepten hinwirken und eine Verzahnung mit den schulischen Schutzkonzepten anstreben.

Das Landeskinderschutzgesetz greift zentrale politische wie fachliche Forderungen aus der Aufarbeitung der bekannt gewordenen Fälle sexualisierter Gewalt in NRW auf. Es enthält verschiedene Maßnahmen, um die Qualität des Kinder- und Jugendschutzes in NRW zu stärken und die strukturellen Rahmenbedingungen zu verbessern. Das Gesetz wird kontinuierlich weiterentwickelt.

[1] gemäß §§ 45 Absatz 2 Nr. 4, 37b Absatz 1 SGB VIII

[2] gemäß § 11 Absatz 3 LKindSchG NRW

Die PsG.nrw ist die erste Fachstelle eines Bundeslandes zur Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Vorrangig richtet sich ihr Angebot an Fachkräfte der freien Kinder- und Jugendhilfe und Akteur*innen in der Prävention von sexualisierter Gewalt. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Breitensensibilisierung, fachliche Vernetzung, die flächendeckende Qualifizierung von Fachkräften und die Verankerung von institutionellen Schutzkonzepten. Die PsG.nrw berät zu Schutz und Vorbeugung, vernetzt Akteur*innen und Angebote und leistet einen aktiven Beitrag zur Qualitätsentwicklung. Außerdem vermittelt sie an Fachberatungsstellen und regionale Angebote. So schafft sie Handlungssicherheit und Orientierung. Die Fachstelle sitzt in Köln und wird gefördert vom MKFFI des Landes NRW. Trägerin ist die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) NRW.

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7. Europäischer Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexueller Gewalt


PsG.nrw appelliert an alle pädagogischen Fachkräfte, sich intensiv mit der Prävention sexualisierter Gewalt auseinanderzusetzen  

 Köln, den 18.11.2021Der 18.11. steht seit 7 Jahren im Zeichen des Schutzes von jungen Menschen vor sexualisierter Gewalt. In diesem Jahr liegt der Fokus des vom Europarat initiierten Tages auf dem engsten sozialen Umfeld, dem „circle of trust“. Die Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt NRW (PsG.nrw) macht in diesem Zusammenhang auch und gerade auf die Schlüsselrolle von Mitarbeitenden aller Organisationen aufmerksam, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Erwachsene als Bezugs- und Ansprechpersonen

Ob Kindertageseinrichtung, Schule oder Freizeiteinrichtung: Bereits in jungen Jahren verbringen Mädchen* und Jungen* einen Großteil ihrer Zeit in verschiedenen Organisationen. Diese sind als Schutz- und Kompetenzort zu verstehen, in dem sich junge Menschen offenbaren können, wenn sie von sexualisierter Gewalt betroffen sind oder waren. Dr. Nadine Schicha, Leiterin der PsG.nrw: „Insbesondere Personen im Bereich der Bildung, Betreuung und Erziehung von jungen Menschen haben eine zentrale Funktion im Kinder- und Jugendschutz. Denn sie verbringen viel Zeit mit den Mädchen* und Jungen*, pflegen oftmals eine vertrauensvolle Beziehung zu ihnen und können somit Ansprechperson sein.“ Damit sich Mädchen* und Jungen* mitteilen können, braucht es Erwachsene, die im Themenfeld sprach- und handlungsfähig sind und ihre Ansprechbarkeit signalisieren.

Organisationen als potenzielle Orte für Übergriffe

Täter*innen kommen oft aus dem sozialen Nahfeld von Kindern und Jugendlichen; häufig aus der eigenen Familie. Aber es kann auch in Organisationen zu Grenzüberschreitungen bis hin zu sexualisierter Gewalt kommen – durch Mitarbeitende, aber auch durch Kinder und Jugendliche. Schicha: „Täter und Täterinnen suchen sich gezielt Organisationen, die gute Gelegenheitsstrukturen bieten und in denen sie enge, ungestörte Beziehungen zu Mädchen* und Jungen* aufbauen können. Um Heranwachsende in institutionellen Kontexten ausreichend zu schützen, müssen Organisationen die Prävention sexualisierter Gewalt in ihren Strukturen verankern und zum festen Bestandteil ihres täglichen Handelns und Miteinanders machen.“

Schutzkonzepte

Eine gelingende Vorbeugungsarbeit muss auf verschiedenen Ebenen ansetzen, um ihre Wirkkraft zu entfalten. Systematisch können Organisationen durch die Verankerung von institutionellen Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt vorgehen. In den Prozess der Entwicklung und Umsetzung sollten alle Beteiligten – auch und vor allem die jungen Menschen – einbezogen werden, damit das Konzept eine hohe Akzeptanz erfährt und nachhaltig mit Leben gefüllt wird. Ein solches Schutzkonzept besteht aus verschiedenen Bausteinen, die in ihrer Gesamtheit auf Täter*innen eine abschreckende Wirkung ausüben bzw. es ihnen erschweren können, unentdeckt zu agieren.

Die aktuelle Kampagne der PsG.nrw sensibilisiert für das Spannungsfeld von Nähe und Distanz und für Grenzüberschreitungen im pädagogischen Alltag. © PsG.nrw; Illustration: Supersalz.

*Wir verstehen Gender, also die Geschlechtsidentität, als ein variables und sich entwickelndes Spektrum. Darum verwenden wir genderneutrale Formulierungen und das Gendersternchen.

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Selbstbehauptungs­trainings für Kinder: Stellungnahme der PsG.nrw

Köln, den 08.03.2021. Es gibt zahlreiche Anbieter*innen von Selbstbehauptungs- bzw. Selbstverteidigungstrainings für Kinder. Eltern und Fachkräfte greifen darauf gerne zurück. Ob bzw. wann solche Angebote sinnvoll sind im Zusammenhang mit der Prävention von  sexualisierter Gewalt, legt die PsG.nrw in einer entsprechenden Stellungnahme dar.

Stellungnahme der PsG.nrw zur Einrichtung eines/einer „Unabhängigen Beauftragten“ in NRW

Köln, Januar 2021. Die Fraktion Bündnis 90/die Grünen hat im August des vergangenen Jahres einen Antrag zur Einrichtung der Stelle eines/einer „Unabhängigen Beauftragten zu Fragen der sexualisierten Gewalt“ gestellt, der/die nicht weisungsgebunden ist und keiner Fachaufsicht unterliegt. Zu diesem Antrag hat die PsG.nrw hier ausführlich Stellung genommen.

Handlungs- und Maßnahmenpapier der Landesregierung NRW erschienen

Köln, Dezember 2020. Die Landesregierung hat im Dezember des vergangenen Jahres ein umfangreiches Handlungs- und Maßnahmenkonzept gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. Darin werden knapp 60 grundlegende Maßnahmen beschrieben, die auf Prävention, Intervention und Nachsorge in den unterschiedlichen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen abzielen. Eine wichtige Instanz im Bereich der freien Kinder- und Jugendhilfe ist die PsG.nrw. Hier finden Sie das gesamte Papier.

Eröffnung Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt NRW


Köln, den 28.10.2020. Die Landesregierung NRW hat die Bekämpfung von sexualisierter Gewalt an Mädchen* und Jungen* erheblich verstärkt. Dabei ist die Prävention ein wesentlicher Baustein. Darum stellten heute Familienminister Dr. Joachim Stamp und Leiterin Dr. Nadine Schicha auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf die neue Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt (PsG.nrw) gegen Kinder und Jugendliche vor, die einen wesentlichen Bestandteil der Präventionsmaßnahmen darstellt. Auch die beiden Direktor*innen der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe Ulrike Lobek und Matthias Löb, in deren Zuständigkeit die Landesjugendämter liegen, nahmen teil.

Kinder- und Familienminister Dr. Joachim Stamp: „Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist ein unerträgliches, ein widerliches Verbrechen. Doch die bittere Wahrheit ist, dass viele Mädchen und Jungen regelmäßig sexuelle Gewalt erleiden müssen, mitunter ihre gesamte Kindheit lang. Wir wollen unsere Kinder und Jugendlichen vor diesen abscheulichen Verbrechen besser schützen. Das ist eine große Herausforderung, denn es geht nicht um Einzelfälle, sondern um abscheuliche Verbrechen, die tagtäglich verübt werden. Deshalb müssen wir alle – Politik und Gesellschaft – gemeinsam und entschlossen dagegen vorgehen.“

Die PsG.nrw wendet sich an Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sowie Akteure im Bereich der Prävention, Intervention und Nachsorge sexualisierter Gewalt und bietet Informationen, Fortbildung und Beratung ebenso wie Vernetzung und Qualitätsentwicklung von Angeboten an. Träger ist die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Nordrhein-Westfalen e.V. (AJS) mit Sitz in Köln. Die Landesfachstelle ist mit 4,5 Personalstellen ausgestattet und wird 2021 durch 5 Fachreferent*innen in den einzelnen Regierungsbezirken bei ihren Aktivitäten verstärkt, relevantes Wissen in die Fläche zu bringen.

Weiter zur Pressemeldung des Ministeriums für Kinder, Familie Flüchtlinge und Integration.

Leiterin Dr. Nadine Schicha: „Solch eine landesweite Stelle ist gesellschaftlich elementar, denn der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt obliegt uns Erwachsenen, die wir tagtäglich mit Kindern zusammenarbeiten bzw. leben.“

© Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration | Foto: S. Bersheim

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