Täter*innen und ihre Strategien

Wer Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt schützen möchte, muss sich mit Täter*innen und ihren Strategien auseinandersetzen. Denn noch immer herrschen diesbezüglich zahlreiche Mythen und Vorurteile vor. So ist es in den meisten Fällen nicht etwa der fremde (männliche) Täter im schwarzen Van, der vor der Kindertageseinrichtung oder der Schule auf seine Chance lauert. Sexualisierte Gewalt wird auch nicht vorrangig von Personen verübt, die eine Präferenz für kindliche Körperschemata haben, also pädosexuell sind.

Wer ist es dann? 

  • 50-75% der Täter*innen kommen aus dem sozialen Nahfeld der Betroffenen, häufig auch aus der Familie. Sexualisierte Gewalt findet aber auch in Einrichtungen statt, in denen wir die Jungen* und Mädchen* gut aufgehoben glauben.
  • 85-90% der Taten werden von Männern verübt, schätzen Expert*innen – der Anteil von Frauen liegt somit bei 10-15 %. Der Mythos der „guten“ Mutter vernebelt dabei den Blick auf Grenzverletzungen und Gewalt durch Frauen.
  • Taten werden in erster Linie von Menschen begangen, die keine bzw. keine ausschließliche sexuelle Präferenz für Kinder bzw. Pubertierende haben. Täter*innen nutzen ihre Macht- und Autoritätsposition sowie die Zuneigung und Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen aus, „um ihre eigenen (sexuellen, emotionalen und sozialen) Bedürfnisse auf Kosten der Kinder und Jugendlichen zu befriedigen.“[1] Täter*innen kommen in jeder sozialen Schicht vor, sie sind Männer* und Frauen* unabhängig ihrer sexuellen Orientierung.
  • Menschen, die sexualisierte Gewalt ausüben, sind nach außen hin oft unauffällig und verfügen über viele Taktiken, um unentdeckt zu bleiben. Deswegen sprechen wir auch von Täter*innen-Strategien.

Aufgrund der hohen Dunkelziffer sind verbindliche Aussagen über Häufigkeiten jedoch nicht möglich. Die Ergebnisse von Studien zur sexualisierten Gewalt an Kindern und Jugendlichen variieren nach der Definition von sexualisierter Gewalt, dem Studiendesign, der Stichprobe und auch der Informationsquelle. Für Fachkräfte sind diese Fakten letztlich nicht entscheidend. Wichtig ist die Tatsache, dass sie im Arbeitsalltag immer wieder Mädchen* und Jungen* begegnen werden, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Gleichzeitig geht damit einher, dass sich zwangsläufig auch Berührungspunkte zu Täter*innen ergeben. Deswegen ist es erforderlich, sich mit der Thematik fachlich auseinanderzusetzen und eine professionelle Haltung zum Thema Nähe-Distanz zu entwickeln.

Wie gehen Täter*innen vor?

  • In der Regel gehen planen Täter*innen ihre Taten sorgfältig. Diese strategische Vorbereitung wird als Grooming-Prozess bezeichnet, womit gemeint ist, dass Täter*innen das Schamempfinden von Kindern sukzessive zu erweitern versuchen und diese sowie deren Umfeld manipulieren.
  • Die Betroffenen erhalten besondere Aufmerksamkeit und werden durch Täter*innen von der Gruppe und von ihren Bezugspersonen isoliert.
  • Täter*innen schaffen Gelegenheiten, um mit dem Kind/Jugendlichen alleine sein zu können. Es werden Berührungen eingeführt, die für das Beziehungsgefüge und den Kontext völlig unangemessen sind.
  • Täter*innen stellen gemeinsame Geheimnisse her und sprechen Schweigegebote aus, damit sich die Betroffenen niemandem öffnen. Sie suggerieren Betroffenen eine Mitverantwortlichkeit am Geschehen und drohen, dass bei der Offenlegung der Gewaltsituation von Seiten der Betroffenen etwas Schlimmes passieren werde.

Quelle:

[1] Deegener, Günther: Erscheinungsformen und Ausmaße von Kindesmisshandlung. Fachwissen­schaftliche Analyse. In: Heitmeyer, Wilhelm; Schröttle, Monika (Hg.): Gewalt. Beschreibungen Analysen Prävention, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006 (= Schriftenreihe 563), S. 23-72

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