Prävention sexualisierter Gewalt

Prävention kann viel und Prävention ist vielfältig. Der Schwerpunkt präventiven Agierens liegt darin, Mädchen* und Jungen* zu befähigen und zu bestärken, ihre Gefühle und auch ihre Grenzen wahrzunehmen. Sie für die Grenzen anderer zu sensibilisieren, ihre Gefühlspalette zu erweitern, ihren Eigensinn wahrzunehmen, Mut zu haben ihre Grenzen nach außen zu vertreten – auch gegenüber Erwachsenen, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, wenn sie nicht weiterwissen und vieles mehr. Aber, was wir dabei nicht vergessen dürfen ist, dass sich Prävention nicht ausschließlich an Kinder richtet.

Wir Erwachsenen sind vorrangig für den Schutz von Kindern zuständig. Prävention bedeutet Aufklärung und Wissen für Erwachsene.

Das Zutage treten von sexualisierter Gewalt in institutionellen Kontexten, in Kindertagesstätten, Schulen, Vereinen und Verbänden hat uns verdeutlicht, dass wir noch lange nicht genug tun, um Kinder und Jugendliche in ihrer jeweiligen Lebenswelt ausreichend zu schützen.

Auseinandersetzung mit Stereotypen

Zur Prävention gehört es, sich mit unseren Stereotypen, mit unseren Denk- und Handlungsmustern auseinanderzusetzen, die unsere pädagogische Praxis prägen und Mythen freilegen, die sich um das Thema ranken. So ist es neben der weit verbreiteten falschen Annahme, dass hauptsächlich fremde Männer Kinder sexuell missbrauchen auch Fakt, dass Frauen als Täterinnen bei uns kaum oder gar nicht ins Blickfeld geraten.

Frauen wird in der Regel in der Bildung und Betreuung von Kindern viel mehr an Handlungen zugestanden als Männern. Der Mythos der „guten Mutter“ sitzt tief und dass auch Frauen Gewalt ausüben, lässt sich nur schwer mit unserem Bild der vermeintlichen weiblichen Fürsorglichkeit und Sanftheit übereinanderlegen. Wir Erwachsenen sind dazu angehalten, unsere Vorstellungen von Weiblich- und Männlichkeiten zu überprüfen, um in der Lage zu sein, Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen in professionellen Kontexten angemessen bewerten zu können.

Wissen schafft Sicherheit

Eltern und Fachkräfte benötigen Wissen über Strategien von Täter*innen, denn sexueller Missbrauch geschieht nie spontan, sondern ist immer eine gut geplante Tat. Täter*innen verfügen über zahlreiche Strategien, um den sexuellen Missbrauch zu verdecken. Sie manipulieren über einen längeren Zeitraum Menschen im sozialen Umfeld und bereiten die Tat strategisch vor. Der sogenannte Grooming-Prozess beinhaltet, dass Täter*innen Kinder und deren Umfeld manipulieren und das Schamempfinden von Kindern sukzessive zu erweitern versuchen. Mädchen* und Jungen*, die um die Präventionsbotschaften wissen, werden sich eher anvertrauen, wenn sie ein blödes Gefühl haben. Kinder, die auch in sexuellen Dingen sprechfähig sind, werden eher anfangen zu reden.

Prävention muss auf struktureller, räumlicher und pädagogischer Ebene in einer Einrichtung verankert werden. Leitung und Mitarbeiter*innen einer Einrichtung, in denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten, haben die Verantwortung, Kinder und Jugendliche zu schützen und bestenfalls in der Wahrnehmung und Durchsetzung ihrer subjektiven Grenzen zu stärken. Gleichzeitig müssen sie Täter*innen durch Intervention und Sanktion Grenzen setzen. Für Betroffene ist der letzte Punkt besonders wichtig, weil er zeigt, wo die Verantwortlichkeit liegt, nämlich beim Erwachsenen, der die Grenzverletzung verübt hat.

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