In Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen und deren Sorgeberechtigten sowie im Austausch unter Fachkräften ist es wichtig, eine angemessene Terminologie zu verwenden. Anstelle des Begriffs „Opfer“ sollte die Formulierung „betroffenes Kind“ oder „betroffener Jugendlicher“ gewählt werden. Ebenso sollten die Begriffe „Täter“ oder „Täterin“ vermieden und stattdessen „übergriffiges Kind“ oder „übergriffige Jugendliche“ verwendet werden. Diese Formulierungen helfen, eine Stigmatisierung und eine langfristige Zuschreibung zu vermeiden.
Nach Planung der individuellen Schutzmaßnahmen werden getrennte Gespräche mit den beteiligten Personen geführt. Dabei hat das Gespräch mit der betroffenen Person in der zeitlichen Abfolge immer Vorrang. Im Gespräch mit der betroffenen Person wird gemeinsam erörtert, welche Unterstützung sie benötigt, um sich in der Einrichtung wieder wohl und sicher zu fühlen. Die Maßnahmen, die im Team entwickelt wurden, werden dabei auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt. Zudem wird ihr versichert, dass die Fachkräfte dafür verantwortlich sind, dass sich eine solche Situation nicht wiederholt.
Auch die übergriffige Person erhält die Möglichkeit, sich zu dem Vorfall zu äußern und ihre Sichtweise darzulegen. Zudem werden die geplanten Maßnahmen besprochen, wobei klar kommuniziert wird, dass das gezeigte Verhalten nicht akzeptiert wird. Dabei liegt die Betonung auf der Ablehnung des Verhaltens und nicht auf der Person selbst. Mehr Informationen zur Gesprächsführung finden Sie im entsprechenden Baustein.
Was darüber hinaus an Konsequenzen notwendig ist, entscheidet sich im Einzelfall und nach sorgfältiger Abwägung im Team.
Wenn übergriffiges Verhalten bei einer Person gehäuft auftritt, ist es wichtig, die Ursache dieses Verhaltens zu hinterfragen. Wiederholtes und gezieltes übergriffiges Verhalten kann unterschiedliche Ursachen haben und sollte daher individuell betrachtet werden. Es kann zudem ein Hinweis darauf sein, dass die übergriffige Person selbst Gewalt erfahren hat bzw. erfährt und kann bedeuten, dass die Person therapeutische Unterstützung benötigt. Mehr zum Umgang mit übergriffigen Kindern hier.